„Ich war (…) obdachlos und ihr habt mich aufgenommen“

Preveden prispevek najdete tukaj: „Bil sem (…) tujec in ste me sprejeli“.

 

Im Matthäusevangelium (25,34-35) lesen wir die Worte Jesu:

„Ich war hungrig und ihr habt mir zu essen gegeben; ich war durstig und ihr habt mir zu trinken gegeben; ich war fremd und obdachlos und ihr habt mich aufgenommen; ich war nackt und ihr habt mir Kleidung gegeben; ich war krank und ihr habt mich besucht; ich war im Gefängnis und ihr seid zu mir gekommen.“

Etwas weiter im Text, auf die Frage: „Herr, wann haben wir dich hungrig gesehen und dir zu essen gegeben, oder durstig und dir zu trinken gegeben? Und wann haben wir dich fremd und obdachlos gesehen und aufgenommen, oder nackt und dir Kleidung gegeben? Und wann haben wir dich krank oder im Gefängnis gesehen und sind zu dir gekommen?“,

antwortet Jesus mit den so bedeutungsvollen Worten:

„Amen, ich sage euch: Was ihr für einen meiner geringsten Brüder getan habt, das habt ihr mir getan.“

 

In diesem Text, der mich immer wieder sehr berührt, erscheint es mir das Wichtigste, zu bemerken, dass Jesus sagt: ICH war hungrig … ICH war durstig …ICH …

Denn dies ist, denke ich, nicht nur symbolisch zu verstehen, sondern in seinem mystischen Leib, ist es tatsächlich Jesus selbst, dem wir im Hungrigen, Durstigen, Fremden … begegnen.

 

Diesen Sommer, hatte ich die Möglichkeit ein Praktikum im „Vinzidorf“, in Graz, zu machen. Das „Vinzidorf“ ist ein Containerdorf im Stadtteil Leonhard, welches auf dem Gelände der Pfarre errichtet wurde. Gegründet wurde es von Pfarrer Wolfgang Pucher, der mit diesem Dorf, den Worten des Evangeliums, einen konkreten Ausdruck verlieh.

Diese Zeit, war für mich ein so besonderes und schönes Erlebnis, dass ich im Folgenden, gerne ein wenig über dieses wunderbare Werk, berichten möchte.

Die Gründung des Dorfes wurde anfangs als „unnötig“, kritisiert; und es gibt in der Tat bereits bestehende Angebote, die nicht ausgelastet bzw. genützt werden. Und doch war das Dorf bereits wenige Wochen nach seiner Gründung ausgelastet.

Der Grund besteht in der Andersartigkeit dieser Einrichtung. Üblich ist es, dass Angebote von Tages-und Schlafstätten für Obdachlose, an Bedingungen gebunden sind, die diese aber nicht erfüllen können, wie z.B.: die Männer dürfen nicht alkoholisiert erscheinen, dürfen auch keinen Alkohol bei sich haben bzw. in der Einrichtung nicht trinken, sie müssen um eine gewisse Uhrzeit in der Einrichtung erscheinen und dürfen dieselbe erst wieder um eine bestimmte Zeit verlassen ….

Im „Vinzidorf“ gibt es das nicht!

Die einzige Regel, mit der es gegründet wurde war: „Keine Gewalt“. So niederschwellig und vielleicht auch unrealistisch sich dies anhören mag, zeigen nun doch bereits 24 Jahre, dass es funktioniert! Jedem Bewohner steht ein Container, von ungefähr 7m2 Wohnfläche, zur Verfügung. Das Dorf bietet Platz für 39 Männer, die aus verschiedenen Gründen, aus der Bahn geraten sind und deshalb in finanzieller und/oder sozialer Armut leben: Alkoholabhängige, Obdachlose, Haftentlassene und viele mehr.

Als ich ein paar Wochen, vor Beginn meines Praktikums zu einem Vorstellungsgespräch bei der Leiterin war, machte es mir einen tiefen Eindruck, dass sie mir sagte:

„Bei uns dürfen die Männer so sein wie sie sind.“

Wer ins „Vinzidorf“ kommt, hat ein zu Hause gefunden.

Einmal, kurz nach der Gründung, hatte ein Nachbar, spät abends, von seinem Balkon aus zwei Bewohner beobachtet, die -in heiterer Stimmung- in Richtung Dorf gingen. Sie wussten nicht, dass er ihnen zuhören konnte. Als sie miteinander scherzten und vor Lachen stehengeblieben waren, sagte einer der Beiden zum anderen: „Komm, gemma Ham“ (=gehen wir nach Hause). Dieser Nachbar erzählte einmal bei einer Gelegenheit dem Pfarrer davon. Von da an wurde dieses Wort, „gemma Ham“ zu einem ganz wichtigen Ausdruck dessen, was er mit der Gründung des Dorfes eigentlich wollte. – Ein Zuhause schaffen! Keine Einrichtung oder Institution im herkömmlichen Sinn, wo es Vorschriften und Gesetze gibt denen man sich unterordnen muss um angenommen zu werden, sondern eben ein richtiges Zuhause.

Wer ins „Vinzidorf“ aufgenommen wird, darf dort auch bleiben, wenn er möchte. Es gibt nur zwei gemauerte Häuser im Dorf. Das ist einmal die Krankenstation und dann das Hospiz. Viele der Bewohner die ins Dorf kommen sind krank und die Sterberate ist sehr hoch. Alleine im Jahr 2017, sind bis Ende Juli, acht Bewohner beerdigt worden. Auf dem angrenzenden Friedhof, steht bei diesen Armengräbern die große Aufschrift: „gemma Ham“.

Manchmal, wenn ich von diesem „Dorf“ in Graz erzähle, stößt dieses Konzept auf Unverständnis und wird als zu „niederschwelliges Angebot“ gewertet.

Wenn man die Geschichten der Menschen nicht kennt und nur sieht, dass dort Alkohol getrunken werden darf und nicht gearbeitet wird, so kann man schnell zu der trügerischen Annahme kommen, es handle sich um Leute die nicht arbeiten Wollen und auf Staatskosten, bzw. von Spendengeldern gut leben.

In Wahrheit geht es aber um Männer, an welchen eine besonders schwere und traurige Lebensgeschichte -die meist schon in ihrer Kindheit begann- ihre Spuren hinterließ.

Mein Praktikum nannte ich letztendlich „Urlaub im Vinzidorf“. Denn es war eine wunderbare Zeit in der ich viele schöne und interessante Gespräche hatte; viel an Weisheit lernte, von Menschen, die das Leben kennen; mich hauswirtschaftlich betätigen durfte und Ausflüge machen konnte, bei welchen mir die „Vinzidorfer“, die schöne Stadt Graz und ihre bezaubernden Plätze zeigten.

Es ist für mich von großer Bedeutung, dass Jesus nicht gesagt hat: „Ich war unschuldig im Gefängnis, und ihr seid zu mir gekommen“. Er spricht nicht davon, wie viel Schuld jemand an seiner Situation hat oder nicht. Ob sich der Obdachlose, Hungrige oder Fremde, genug bemüht, seine Situation zu verbessern…

Er sagt ganz einfach nur: „Ich war hungrig …, ich war (…) obdachlos und ihr habt mich aufgenommen.

So identifiziert er sich mit uns allen!

 

 

 

 

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